Ausgabe 8 / August 2012


Testtrip Kaltern


Was machen wir sobald die Temperaturen endlich einmal über 20° steigen, auch wenn es nur für kurz ist? Klar, wir entstauben das Wohnmobil, wuchten die Campingausrüstung vom Dachboden runter und machen uns vollbepackt auf den Weg in die Alpen.

Natürlich werden auch wir älter und so haben wir nichts einzuwenden gegen den Luxus eines richtigen Bettes, doch ist der morgendliche Sonnenaufgang über einem klaren See einfach unbezahlbar. Da nimmt man auch mal leichte Verspannungen am Morgen in Kauf. Für diesen Test Trip wurde uns allerdings das Beste aus beiden Welten versprochen, ein Deluxe Campingplatz inmitten der Sextener Dolomiten sollte es sein. Schwimmbad, Wellnessarea und Spa, so die Eckdaten, die uns Luxustussis ein Grinsen ins Gesicht zauberten.
Eigentlich hätten wir doch schon von Road Trip I lernen können, dass solche Planungen nie so funktionieren, wie von uns erdacht. So wurde unser Fotograf Manuel, je näher der Abfahrtstermin rückte, am Telefon dringlicher bezüglich der Wetterlage. Der Schnee sollte wieder kommen, die Temperaturen fallen, doch niederbayerische Gelassenheit kam als Erwiderung zurück. Dem Schneesturm am Alpenhauptkamm und den weißen Bildern der Sextener Webcam, welche uns Manuel mit seinem Smartphone unter die Nase hielt, konnten wir allerdings nichts entgegensetzen und so mussten wir entscheiden, ob wir sommerliche Bilder oder doch lieber Luxus wollen. Natürlich lieber die Annehmlichkeiten, doch die Meldung des Schneefalls war zu diesem Zeitpunkt schon ins Büro gedrungen und wir wurden ins sonnig warme Kaltern beordert.
 
Glücksgriff
Für den ersten Abend war kalt auch der richtige Ausdruck.  Alles was an Fleece und Daunensachen verfügbar war, wurde übergeworfen, um die Körpertemperatur hoch zu halten. Manuel und Johannes waren schon ein paar Stunden länger vor Ort und kamen kurz nach uns, von einem ersten Erkundungstrip bezüglich des Fotospots, zurück. Begeistert waren sie nicht, doch ließe sich wohl etwas draus machen. Naja, einfach mal drüber schlafen oder erst einmal die lokalen Köstlichkeiten probieren, in diesem Falle Südtiroler Essen und natürlich Wein.
Der nächste Morgen begrüßte uns reichlich sonnig. Genau über dem See, hinter einer alten Burgruine, ging die Sonne auf. Exakt die Momente für die man auf den Komfort eines Bettes verzichtet. Nach dem Frühstück wird eingepackt und wir machen uns auf die Suche nach einem passenden Fotospot. Wir fahren auf den Kalterer Höhenweg und bleiben, aus welcher Eingebung auch immer, an einem kleinen Feuerwehrgebäude stehen, hinter welchem ein Wanderweg sich abzweigen soll. Zusammen mit Manuel laufen wir in den Weg hinein. Nach jeder Ecke findet sich ein besserer Platz zum Fotografieren und so befinden wir uns bald bestimmt 3 km vom Auto entfernt. Manuel ist zufrieden und wir wuchten die Bikes durch feinstes Trailgelände, den Weg hinein. Johannes verlässt uns mittags nach dem ersten Take zum Testen, wir fotografieren das nächste Testfeld, genießen die Sonne, die Wärme der aufgeheizten Felsen und reichlich Gummibärchen. Kurz vor sieben machen auch wir Schluss, verladen die Bikes und können, dank unseres Shuttlefahrers, noch einige Trailhöhenmeter zurück zum Campingplatz vernichten. Während die Fotoausbeute des Tages eingelesen wird, wagen wir einen Sprung in den Kalterer See, der seinem Namen heute alle Ehre macht. Beim zweiten Sprung orientieren sich alle schon recht nah am Ausstieg, um nicht zu viel Zeit im erfrischenden Nass verbringen zu müssen.
 
Straßenkilometer
Das Glück des ersten Tages wiederholt sich am zweiten Tag leider nicht. Wir fahren mit dem Bus auf den Mendelpass und hoffen dass die Sonne der vergangenen Tage, den Schnee zum Schmelzen gebracht hat. Leider bestätigt sich diese Annahme nicht, das Panorama ist zwar super, doch die Wege schlammig oder schneebedeckt. So entschließen wir uns endlich dazu eine Wanderkarte zu kaufen und auf dieser nach geeigneten Orten zu suchen. Ein paar hundert Höhenmeter tiefer schaut es laut Karte recht gut aus, aber auch hier Fehlanzeige. Die Lösung kommt per Panoramaansicht auf der Rückseite des Kartenwerks. Ein paar Kilometer weiter nördlich, scheint auf über 1000 Hm eine Almwiese als Kreuzungspunkt für verschiedene Wanderwege zu dienen, ein Panoramasymbol hat es auch und so könnte es funktionieren. Manuel und ich fahren die schmale Zubringerstraße erst einmal allein und lassen den Bus unten stehen.  Oben angekommen, zeichnet sich Zufriedenheit in unsere Gesichtszüge, denn genau nach so einem Ort hatten wir gesucht und praktischerweise findet sich nebenan auch noch eine bewirtschaftete Hütte, welche uns mit Kaffee und Kuchen versorgt. Nachdem die Fotos im Kasten sind, packen wir ein und lassen uns wieder auf den Mendelpass shuttlen. Vielleicht findet sich in der Abfahrt ja noch eine schöne Option fürs Cover und ansonsten sind 1500 Hm Singletrail, nach getaner Arbeit, auch nicht zu verachten. Wie immer heißt es abends Fotos sichten, Leckereien essen und Wein trinken. Eigentlich keine schlechte Arbeit.
Am nächsten Tag wissen wir endlich einmal genau was zu tun ist und so fahren wir nur noch zwei Orte an, da wir schon bestimmte Fotos im Kopf haben. Nach gefühlten 30 mal wieder den Berg hochschieben, sind auch diese Bilder im Kasten, die Arbeit getan und wir packen alles wieder zusammen. Ein Teil von uns begibt sich auf den Heimweg, der Andere hängt noch ein paar Campingtage am Gardasee dran. Sich den Tag vom Stand der Sonne (den wir dank iPhone App schon früh im Tagesverlauf genau bestimmen konnten) diktieren zu lassen, kein Internet und auch sonst keine wirkliche Ablenkung zu haben, ist gar nicht so schlimm und auch die Interpretation von Luxus oder gar Komfort verschiebt sich einfach. Nach einem Shooting-Tag an dem es mittags mal wieder nur Gummibärchen gab, ist eine Südtiroler Brotzeit unschlagbar und nach einer Nacht auf eher hartem Untergrund, ein Sonnenaufgang Entschädigung genug.  All das und nachdem man 20 Mal hintereinander dieselben 100 m gefahren ist, wirkt eine richtig lange Trailabfahrt doch wirklich Wunder.

Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern Klicken zum vergrößern