Ausgabe 9 / September 2012


Von Jägern und Gejagten


Anfang Juli war es wieder soweit und so trafen sich im hochgelegenen Sölden 200 Jäger auf ihren Bikes, um dem goldenen Riesenschnitzel hinterher zu jagen. Die Teams, bestehend aus zwei Fahrern, müssen acht Checkpoints finden und an weiteren fünf Stationen lustige Missionen erfüllen.
Der Event gilt als spaßige Enduro-Veranstaltung, an dem die Trails um Sölden mit Liftunterstützung erkundet werden können. So waren auch die meisten Teilnehmer mit viel Federweg und einer Portion Kampfgeist ausgerüstet.  
Bewaffnet mit Federweg?! Nur halb, denn die WOMB-Redaktion teilte sich für die Veranstaltung in zwei Lager, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Hat man im hier und jetzt wirklich mehr Spaß mit den aktuellen Rädern und ist man damit auch wirklich schneller?
New School vs. Old School lautet der Teamvergleich, der Licht ins Dunkle bringen soll. 
 

Das Wochenende
Ganz entspannt traten wir die Reise ins Ötztal an. Old School war auch das Auto des Teams der neuen Schule und so war es schon mal die erste Erleichterung, als alle das Ziel Sölden, ohne technischen Defekt am Klapperkasten, überstanden haben. Einquartiert am einzigen aber sehr angenehmen Campingplatz in Sölden, haben wir die entspannte Atmosphäre unter vielen Gleichgesinnten genossen.
 
Die Jagd nach dem Schnitzel
 
Team Old School
Wenige Jahre ist es her, dass so die meisten Biker durch die Gegend gefahren sind, doch nun ist man in dem Outfit ein seltenes Exemplar und zieht einige Blicke auf sich. Im Pulk von ca. 200 gut gelaunter und teils hoch motivierten Biker ging es auf der über 3.000 Meter hohen Gaislachkogl Bergstation - auf die Jagd nach dem goldenen Riesenschnitzel.
Nach gut geglücktem LeMans Start, fanden wir uns auf der steilen und breiten Schotterpiste gut platziert im vorderen Feld. Um Durchschläge an den mehr oder weniger breiten 2.1 er Reifen vorzubeugen, bliesen wir diese in alter Manier mit ca. 3,5 bar auf. Doch es war kein Durchschlag der uns nach halber Strecke zur Mittelstation an den Streckenrad drängte, es war ein geschmolzener Schlauch samt Felgenband. Nun ja, es hieß improvisieren. Das durch Hitze entschwundene Felgenband galt es durch den defekten Schlauch zu ersetzen. Statt Tubeless wurde Tube in Tube praktiziert.
 
Aber wir waren nicht die Einzigen, die einen Stopp einlegen mussten. Die ersten Discs rauchten bereits ab und zwangen so manchen Biker zur vollständigen Aufgabe.
Was lernen wir daraus? Kühlen ist angesagt. Immer wieder nutzten wir Bachläufe um unsere Felgen zu kühlen. Leider blieb es uns nicht erspart, dass wir weitere dreimal den Reifen wegen geplatztem Schlauch, bzw. abgerissenem Ventil von der Felge ziehen mussten. Ein Dank an dieser Stelle an Andreas von Ergon, der uns mit zwei Schläuchen aushalf und uns so das Flicken ersparte.
 
Strategiewechsel
Die Tatsache der Bremsproblematik führte zu einem Strategiewechsel bei uns im Team, und so fuhren wir mehrere Checkpoints von unten an ohne den Lift in Anspruch zu nehmen. Was wir dabei jedoch nicht bedacht hatten, dass die Tioga Disc eigentlich was fürs Museum ist und anscheinend nicht für steile Anstiege gemacht wurde. Der Achter im Laufrad wurde immer größer und größer - bei längerem Hinsehen hatte dies fast schon hypnotische Wirkung und ein vorsichtiges Antreten wurde zur Pflicht. Der Strategiewechsel brachte also keine Vorteile. Er kostete viel Kraft und natürlich hatten wir in der Abfahrt, wo wir uns zuvor mühevoll hochgeschunden haben dann doch auch wieder einen Bremsplatten.
Aber was wäre ein Old School Team ohne dem zuvor beschriebenem Schalter im Kopf und das dazugehörige Durchhaltevermögen. Punkt für Punkt und Aufgabe für Aufgabe erarbeiteten wir uns und erreichten kurz vor Abgabeschluss, mit einem nicht mehr fahrbaren Manitou HT und einem funktionsfähigem GT Zaskar, das Ziel in Sölden.
 
 
Team New School
Entspannt wollten wir es angehen lassen zur Schnitzeljagd und vor allem maximalen Trailspaß haben. Grobe Routenplanungen wurden daher auch erst im Lift auf dem Weg  zum Start vorgenommen. Die anvisierte 1000 hm Schotterabfahrt passte uns als Einstieg auch nicht wirklich in den Kram, zu eng und sinnlos sahen wir wertvolle Höhenmeter vernichtet. Eine blasse graue Linie zeichnete sich auf der Karte ab, ein Wanderweg, welcher auf recht direktem Weg auf einem Grat die 1000 hm zur Mittelstation überwand. Eine gute Alternative dachten wir uns, doch sollte uns die Kraft, die wir auf diesem sehr anspruchsvollen Pfad verbrauchten, gegen Ende am letzten Anstieg fehlen.
Nach der Mittelstation fanden wir langsam unseren Rhythmus, die leichten AllMountain Bikes waren perfekt für das natürliche Terrain und wir machten bergab reichlich Zeit gut. In der Mittagshitze entschieden wir uns für einen herrlichen Teeranstieg und weitere Kraft verpuffte. Den nächsten Checkpoint wollten wir von unten zu Fuß erobern, rechneten mit wenigen Höhenmetern Marsch, erreichten aber erst nach 400 hm den anvisierten Punkt. Das war dann schon Fehlentscheidung Nummer drei.
 
Strategiewechsel
Auch wir entschieden uns zu einem Strategiewechsel, bzw. der Rückkehr zu unserem ursprünglichen Plan, einfach Trails genießen. So wurden die Routen ab jetzt auf maximalen Spaß optimiert, was uns am Ende des Tages satte 4.000 Trailtiefenmeter bescherte. Doch davor stand uns noch ein 600 hm Anstieg bevor. Nach 5 Stunden, die wir lediglich im Lift pausierten, überlegten wir hin und her ob wir diesen Anstieg noch wagen sollten oder lieber noch ein wenig Trails mit Liftunterstützung fahren. Die mutmaßlichen Lästereien der Kollegen im Kopf, entschieden wir uns für den Aufstieg und verfluchten diese Entscheidung zusammen mit den anderen, die sich gegen Ende des Tages ebenfalls noch für den Aufstieg entschieden hatten. Oben angekommen wich die Erschöpfung dann doch wieder Begeisterung, und der letzte Trail der Schnitzeljagd entschädigte für sämtliche Strapazen.
 
Fazit
Old School rocks - New School sucks
Die Zielankunft beider Teams war fast identisch, doch fehlte den jungen Wilden eine Checkpointprägung in ihrer Karte. Machbar ist also vieles mit Cantibremse und starrem Heck, und wer masochistisch angehaucht ist hat auch jede Menge Spaß dabei. Wer es gemütlicher angehen, die Trails im Ötztal genießen und danach im Marco‘s Treff bei der Siegerehrung noch ordentlich einen abfeiern will, greift dann doch lieber auf aktuelle Untersätze zurück. 

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